Weihe

Das Sakrament der Weihe

Die Sendung
Wozu gibt es die Gemeinschaft der Kirche? Mit den Worten der Heiligen Schrift gesagt: Um Segen auf die Welt zu legen, um ein Segen für die Menschen zu sein. Dieser Segen wird vor allem sichtbar in den sakramentalen Zeichen der Kirche. Sie den Menschen zu schenken, sie für sie zu öffnen ist die priesterliche Aufgabe der Kirche.

Aus der Schar derer, die ihm folgten, hat Jesus Personen herausgerufen, damit sie seine Sendung teilten: Die wirkmächtige Anwesenheit Gottes bei den Menschen durch ihr Handeln erfahrbar zu machen. (Mt 10,1. "Dann rief er seine zwölf Jünger zu sich und gab ihnen die Vollmacht, die unreinen Geister auszutreiben und alle Krankheiten und Leiden zu heilen.")

Wenn jemand zum Priester geweiht wird, geht es also einerseits um den Menschen, andererseits um Gott, um Jesus Christus und um den Heiligen Geist. Es geht nicht um den Menschen, der geweiht wird oder ist. Dieser ist dazu berufen, an Stelle des dreieinigen Gottes unter den Menschen "amtlich" zu handeln. Wer geweiht ist, ist dazu bestellt, die Gläubigen daran zu erinnern, dass es Gott ist, der auch heute handelt - als Person ist er dafür Zeichen. Wer geweiht ist, macht sichtbar, dass Gott auch heute wirklich durch Jesus Christus im Heiligen Geist heilsam anwesend ist und wirkmächtig heilend handelt. Der dreieinige Gott ist es, der durch Jesus Christus im Heiligen Geist zum Heil der Menschen wirkt. Das ist durch das "amtliche" Wirken des Geweihten den Gläubigen garantiert.

Wer geweiht ist, bleibt ein Glaubender in der Kirche. Auch er ist im Glauben auf dem Weg. Auch er harrt der Vollendung, die ein Geschenk Gottes ist.

Priester
Wer Priester wird, schlägt einen langen und spannenden Weg ein. Er setzt ein deutliches und sehr mutiges Zeichen. Die Herausforderung ist gross, setzt der Priester doch mit seinem Auftrag Lebenszeichen für andere. Er leitet und begleitet die Gemeinde, er ermutigt, hört zu, inspiriert und gibt Rat. Er ist der Brückenbauer und Übersetzer, an dem sich das Wunderbare des göttlichen Wirkens in der Welt ablesen lässt.

Viele erleben Priester in ganz unterschiedlichen Bereichen: als Leiter einer Gemeinde, als Kapläne und Vikare, Religionslehrer und Seelsorger im Krankenhaus oder in der Jugendarbeit. Wer sich für diesen Beruf entscheidet, hat seine Berufung erkannt. Das Fundament dieser Berufung bildet ein spirituelles Leben. Seine Mitte ist die Beziehung zu Gott. Meditation, das Hören der Schrift, das individuelle und gemeinschaftliche Gebet, menschliche Beziehungen und die Reflexion der eigenen und gesellschaftlichen Verhältnisse stärken die Entscheidung für dieses Leben. Die Geschichte jeder Berufung zum Priester ist die Geschichte eines Dialogs zwischen der Liebe Gottes und der Entscheidungsfreiheit des Menschen.

Der Dienst des Priesters besteht im Einsatz der ganzen Persönlichkeit für Jesus Christus. Von seinem Auftrag her hat er Anteil an den drei Grundvollzügen der Kirche: In der Diakonie wird der Priester zum Weggefährten der Menschen, der sie begleitet und ihnen nahe steht. Durch die Verkündigung wird er zum Deuter des Lebens, der das Wort der Hoffnung weitergibt. In der Liturgie vollzieht er mit der Feier der Eucharistie, der Spendung der Sakramente und im Gebet die Mitte seines Dienstes. In der Communio der Gemeinde sorgt der Priester dafür, dass sich niemand in der Gemeinschaft der Gläubigen fremd fühlt.

Das Sakrament des Daseins Gottes
In der Apostelgeschichte (6,3.6) heisst es: "Wählt aus eurer Mitte sieben Männer von gutem Ruf und voll Geist und Weisheit; ihnen werden wir diese Aufgabe übertragen! ? Sie liessen sie vor die Apostel hintreten, und diese beteten und legten ihnen die Hände auf."

Hier klingen Grundlinien des kirchlichen Amtes an, wie sie bis heute in der Kirche lebendig sind. Aus dem (und zumeist durch das) Volk ausgewählt werden einige in besonderen Dienst gestellt: durch Handauflegung und Gebet - bis heute. Dies erinnert an eine kirchliche Grunddimension: Das Heil können wir uns nicht selbst machen: Es ist von Gott geschenkt. Weihe lässt sich nicht erzeugen, sondern nur von aussen übertragen. Dies liegt in der Linie des alten, christlichen Prinzips, dass wir von Gott her mehr sind, als wir selbst tun und leisten können. Erlöst sind wir nicht aus uns selbst heraus, sondern von Gott geschenkt - auch als Gemeinde.

Die seit urkirchlichen Zeiten unaufhörlich durch "Handauflegung und Gebet" von Person zu Person weitergegebene Sendung lässt diesen Gedanken spürbar werden. Durch Geweihte wird auf diesem Weg die Einheit der kirchlichen Gemeinden untereinander über die Zeiten hinweg deutlich, vor allem aber die Einheit mit dem, den der Geweihte deutlich machen soll: Jesus Christus. Dies hat die Theologie als "Repräsentatio Christi" bezeichnet: Der Geweihte "repräsentiert" Jesus Christus. Dies meint aber nicht ein Repräsentieren, wie es ein Statthalter für den abwesenden Herrscher tut.

Vielmehr "markiert" er die Gegenwart - wie eine Wegmarkierung den Weg sichtbar macht, der ohne sie selbstverständlich genauso da wäre. Besonders deutlich wird das in der Eucharistie. Hier agiert der Priester "in persona Christi" - er spricht die Worte Jesu, setzt dessen Taten des Letzten Abendmahles, spricht den Segen.

Durch die Person des Priesters ist Jesus gegenwärtig, spür- und erfahrbar. Es ist keine Bitte der Kirche, dass Jesus in der Eucharistie gegenwärtig werden möge, sondern es ist verbindliche Zusage Jesu: "Tut dies zu meinem Gedächtnis!", anders übersetzt: "Tut dies und ich bin mitten unter Euch!" Genau in diesem Sinne haben es Apostel und erste Christen weitergetragen - bis heute.

Das II. Vatikantische Konzil hat das Sakrament der Weihe in einer dreigliedrigen Form zum Ausdruck gebracht: Bischof - Priester - Diakon.

Bischof - Fülle des Weihesakramentes: Der eigentliche Leiter der kirchlichen Gemeinde im Vollsinn. Er ist eingebunden in das Kollegium der Bischöfe, dem der Bischof von Rom vorsteht.

Priester - der Mitarbeiter der Bischöfe: Eingebunden in sein Presbyterum (Gemein-schaft der Priester unter dem Vorsitz des Bischofs) leitet der Priester die Pfarrei, verkündet die Frohe Botschaft, steht der Eucharistie vor; er hat für seine Pfarrgemeinde zu beten und besonders für die "Armen" da zu sein "Tag für Tag sich Christus enger zu verbinden" (aus der Weiheliturgie).

Diakon "zum Dienst": Ebenso an der Sendung Christi teilnehmend ist der Diakon "zum Dienst" berufen. Dies manifestiert sich unter anderem darin, im karitativen Tun der Kirche die Gegenwart Christi deutlich zu machen, verschiedenste liturgische Dienste zu vollziehen und die Frohe Botschaft zu verkünden.

Die Feier der Priesterweihe
Die Weihe beginnt in der Eucharistiefeier nach dem Evangelium. Zunächst werden die Weihekandidaten namentlich aufgerufen. Nach einer kurzen Ansprache des Bischofs zu den Aufgaben des Priesters folgen Gehorsamsversprechen, Gelöbnis der Ehelosigkeit und die Herabrufung des Heiligen Geistes. Danach kommt die Handauflegung durch den Bischof, die Handauflegung aller anwesenden Priester sowie ein Weihegebet. Durch die Handauflegung und das Weihegebet soll die Gabe des Heiligen Geistes für das Priesteramt übertragen werden. Es folgen das Anlegen der priesterlichen Gewänder, die Salbung der Hände, die Überreichung von Kelch und Hostienschale sowie der Friedensgruss.

Nach der Weihe feiern die Neupriester eine Messe in ihren Heimat- und Diakonatsgemeinden. Diese Messe wird als Primiz bezeichnet. Die frischgeweihten Priester spenden durch Handauflegung und Gebet ihren Primizsegen.

Lasst uns Gott, unseren Herrn bitten:
Herr, du berührst das Innerste jedes Menschen. Öffne den jungen Menschen das Herz, damit sie ihre einmalige Berufung in ihrem Leben entdecken.

Herr, du führst alle einen ganz persönlichen Weg. Lass uns jeden Tag neu beginnen, unsere Tauf- und Firmberufung glaubwürdig zu leben.

Herr, du bist die Quelle der Einheit und Vielfalt in der Kirche. Schenke unseren Familien und Gemeinden ein Klima, in dem die unterschiedlichsten Berufungen angenommen werden und sich entfalten können.

Schenke vielen Frauen und Männern die Erfahrung, wie bereichernd es ist, dir und deiner Kirche zu dienen.

Hilf allen Priestern, Diakonen und Mitgliedern von geistlichen Gemeinschaften, damit sie ihre Berufung in der heutigen Welt glaubwürdig leben können.
 

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