Busse

Die Begegnung mit der Barmherzigkeit des Vaters Was wurde nicht alles auf dem Kreuzweg zum Berg Golgotha auf Jesu Schultern ausgeschüttet und abgeladen?

Im Grunde war es alles, was es so an Sünden in den Menschen gibt: Lüge, Stolz, Neid, Hochmut, Macht und Besitzgier, falsche Zeugnisse, Verfluchungen, Verwünschungen, Verrat, Feigheit, Verleumdungen, Menschenfurcht, Spott, Brutalität, Demütigungen, Aufwiegelungen, Beleidigungen, Schläge, Lieblosigkeiten jeder Art. Jesus nahm alles auf sich, alles, wo die Menschen im Ungehorsam lebten, er trug die ganze Schuld, er wurde zum Sühnopfer, alles in Liebe und ohne Gegenwehr.

Er, der ohne jede Schuld war, an dem man keine Schuld finden konnte, der nur Gutes tat, er rief das Erbarmen Gottes auf alle Menschen herab: "Vater, verzeih ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun." Er gab sein Leben, seinen Leib und sein Blut, damit alle zum Heil und zur Freiheit kommen; damit keiner verloren geht, sondern dass alle - auch der grösste Sünder - das ewige Leben erhalten können.

Er ist gekommen, um die Sünder zu retten, den Schuld-schein zu zerreissen und die Werke des Widersachers im Menschen zu zerstören. Er ist der "verlorene" Sohn, der mit aller Erdenschuld beladen vor seinen Vater hinkommt, um Vergebung und Barmherzigkeit für die ganze Welt zu erbitten und alles in die Hände des Vaters zu legen.

Beichte - das österliche Sakrament
Beichte - das vergessene Sakrament
Das erste Ostergeschenk Jesu an seine Jünger war die Vollmacht: "Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben - wem ihr sie nicht vergebt, dem sind sie nicht vergeben." (Joh 20,23) Weil sein Leben durch seinen Tod und seine Auferstehung ausgegossen ist, gibt es den Bund - die Versöhnung mit Gott. Heute ist die Beichte ins Abseits geraten. Die Ursachen dafür sind vielfältig. Sie reichen von schlechten Erfahrungen bis zu einem sich in der Gesellschaft immer mehr bemerkbar machenden mangelnden Sündenbewusstsein. Natürlich ist die Beichte nicht die einzige Form der Sündenvergebung, aber sie ist die dichteste und konkreteste Form. Es ist ein Verlust für uns, wenn wir dieses Geschenk Gottes nicht annehmen.

Das Sakrament der Busse
Im Sakrament der Busse bekennt sich der Mensch zu den Sünden, die er begangen hat, und übernimmt die Verantwortung für sie. Dadurch öffnet er sich neu Gott und der Gemeinschaft der Kirche und ermöglicht sich so eine neue Zukunft.
Indem der Priester die Absolutionsformel spricht, wird der Einzelne mit Gott versöhnt. Diese Versöhnung gilt auch für seine Mitmenschen, die Kirche und die ganzen Schöpfung.

Beichte und Sündenvergebung
Eine ganz besondere Form der Sündenvergebung ist das Sakrament der Busse, bei uns meist "Beichte" genannt, weil man dabei seine Schuld nicht nur innerlich bereut, sondern auch mutig beim Namen nennt (beichtet). Die Beichte ist aber nicht nur ein Beichtgespräch, nicht nur eine Gewissenserforschung oder eine Analyse der Vergangenheit, sie ist die Begegnung mit dem barmherzigen Vater, mit der heilenden und verzeihenden Kraft des Vaters, sie ist ein himmlisches Medikament für Leib, Seele und Geist, für alle Beziehungen mit Gott und den Mitmenschen, ja auch mit sich selbst. Der Priester, der in der Nachfolge der Apostel steht, darf im Sinne Jesu die Lossprechung (Absolution) geben. Sein Vergebungswort ist das menschliche Zeichen für die Vergebung Gottes (ähnlich wie bei der hl. Messe Brot und Wein sichtbares Zeichen für die Gegenwart Jesu sind). Wer dieses Sakrament aufrichtig empfängt, erhält eine grosse Kraft für die sinnvolle Gestaltung seines Lebens.

Die hl. Theresia vom Kinde Jesu sagte: "Ja, ich fühle es, selbst wenn ich alle Sünden, die man begehen kann, auf dem Gewissen hätte, ich würde mich mit vor Reue gebrochenem Herzen in Jesu Arme werfen, denn ich weiss, wie herzinnig er das verlorene Kind liebt, das zu ihm zurückkehrt... Ich bin mir bewusst, dass die Vielzahl der Beleidigungen wie ein Tropfen Wasser wären, der in eine feurige Lohe fällt."

Es gibt drei verschiedene Bezeichnungen für den rituellen Akt der Sündenvergebung:

Sakrament der Beichte: Dieser Begriff bringt das Aussprechen und Bekennen der eigenen Schuld, das Sündenbekenntnis, zum Ausdruck.

Sakrament der Busse: Diese Bezeichnung betont die Läuterung und das Bemühen, sich zu ändern.

Sakrament der Versöhnung: Dieser Begriff macht deutlich, dass dieses Sakrament den Frieden zwischen Mensch und Gott wiederherstellt.

Diese drei Bezeichnungen zeigen verschiedene Aspekte, die eng zusammen-gehören:

  • Beichte als Sakrament
  • Versöhnung auch als gesellschaftliche Angelegenheit
  • Überwindung von Schul- und Angstgefühlen

Voraussetzungen
Damit in der Absolution durch den Priester die Versöhnung mit Gott und der Gemein-schaft der Glaubenden ausgesprochen werden kann, bedarf es:

  • der Reue
  • des Aussprechens der Schuld im Bekenntnis
  • des Vorsatzes, schuldhaftes Verhalten zu ändern und Schaden wieder-gutzumachen

Das Beichtgespräch
Alternativ zur Beichte im Beichtstuhl bieten Priester das sogenannte Beichtgespräch an. Es findet meist in einem Nebenraum der Kirche oder im Pfarrhaus statt. Während des persönlichen Gesprächs bekennt der Beichtende seine Sünden und zeigt seine Reue. Der Priester spricht die Worte der Vergebung und legt dem Gläubigen die Hände auf.

Beichtgeheimnis
Bekennt ein Christ im Sakrament der Beichte seine Sünden, ist der Priester zur völligen Geheimhaltung verpflichtet. Egal wie schwerwiegend mögliche Argumente sein können, der Priester kann vom Beichtgeheimnis nicht entbunden werden. Vor Gericht kann er das Zeugnisverweigerungsrecht geltend machen. Verletzt ein Priester das Beichtgeheimnis, begeht er eine schwere Sünde. Er verliert die Beicht-vollmacht sowie all seine Ämter und Würde.

Bussfeier
In der Advents- und Fastenzeit halten wir als Vorbereitung auf die Hochfeste eine Buss- und Versöhnungsfeier. Die Gläubigen sind eingeladen, miteinander das eigene und das gemeinschaftliche Leben zu bedenken, sich zu besinnen und auf eine gute Beichte oder auf ein Beichtgespräch vorzubereiten. Gelegenheit zur persönlichen Beichte wird jederzeit nach Vereinbarung geboten.

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